Informationsarbeit der Klimaforscher bewirkt Umdenken bei Verbrauchern

22.04.2008 - Quelle/Text: Sonstiges/Eigenes Material

Seit Klimaforscher verstärkt an die Öffentlichkeit getreten sind, ist das Thema Einsparung von CO2 in aller Munde. Über 90 % der Verbraucher wollen möchten sich für dieses Problem einsetzen. Haben in der Vergangenheit nur etwas mehr als ein Fünftel CO2-neutrale Produkt eingekauft, so wollen dies in Zukunft fast 90 % tun. Hier steht allerdings ein äußerst mangelhaftes Angebot an entsprechenden Produkten und Dienstleistungen zur Verfügung.

Studie stellt hohe Kaufbereitschaft fest

Supermarkt
Verbraucher möchten wissen, wie klimafreundlich die von ihnen konsumierten Produkte sind.

So trifft beispielsweise die Nachfrage nach energie- bzw. kraftstoffsparenden Automobilen nicht gerade auf ein adäquates Angebot der Hersteller, wie Prof. Frank Huber vom Marketing-Lehrstuhl I der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und Dr. Stefanie Regier von 2hm & Associates GmbH in einer aktuellen Studie ermittelt haben.

Mehr als drei Viertel der Verbraucher wünschen sich vor allem für die Bereiche "Auto & Verkehr" sowie "Energie & Versorgung" CO2-neutrale Produkte. Ebenfalls sehr wichtig mit knapp 70 % wird die Branche "Logistik und Transport" sowie mit 57 % "Urlaub & Reisen" angesehen.

Sofern es ein entsprechendes Angebot gibt, würden 55 % der Verbraucher einen höheren Preis für Produkte oder Dienstleistungen bezahlen und auch nur für den Kauf in Betracht ziehen. Auch könnten sich Unternehmen stark profilieren, die sich für eine Verminderung von Kohlendioxid einsetzen.

Immerhin würden 44 % der Verbraucher nur diejenigen Marken bevorzugen, die Maßnahmen eingeleitet haben, die zu einer Verringerung des Kohlendioxidausstoßes führen.

Dies sind beispielsweise gute Voraussetzungen für Produkte aus Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung, denn Holz ist CO2-neutral und weist aufgrund seiner flächendeckenden Verfügbarkeit im Vergleich zu anderen Produkten eine unschlagbare Ökobilanz auf.

Start des 'Product Carbon Footprint' Pilotprojekts (PCF) kommt zur richtigen Zeit

Getragen durch WWF, Öko-Institut, Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und THEMA1 starten soeben sechs Unternehmen ein Pilotprojekt, in dem sie für ausgewählte Produkte die Emissionen an CO2 und anderen Treibhausgasen ermitteln, so genannte Product Carbon Footprints (PCF).

Gemeinsam wird an der internationalen Harmonisierung einer einheitlichen Erfassungsmethodik gearbeitet. Im Pilotprojekt wird darüber hinaus diskutiert, ob und gegebenenfalls wie eine Kommunikation und Kennzeichnung für Waren und Dienstleistungen gegenüber Kunden und Endverbrauchern vor dem Hintergrund der internationalen Entwicklungen erfolgen kann.

Das gemeinsame Pilotprojekt mit den sechs Unternehmenspartnern (dm-drogerie markt, FRoSTA, Henkel, Tchibo, T-Home und Tetra Pak) aus den Branchen Lebensmittel, Handel, Telekommunikation, Verpackung und Verbrauchsgüter begann vor einigen Tagen mit einem öffentlichen Symposium in Berlin.

Klimaschutz als unternehmerische Chance

Führende Unternehmen erkennen die Chancen, die ein aktiver Klimaschutz für den unternehmerischen Erfolg bietet. Voraussetzung ist die Kenntnis der Emissionen entlang der Wertschöpfungskette. Als ein wesentliches Instrument wird die einheitliche Ermittlung der mit der Herstellung, Nutzung und Entsorgung von Waren und Dienstleistungen einhergehenden Treibhausgasemissionen diskutiert.

Durch die einheitliche Erfassung können Reduktionspotentiale erkannt und umgesetzt werden. Neben Rohstoff- und Kosteneinsparungen wird die nachvollziehbare Darstellung von emissionsreduzierten Produkten als Wettbewerbsvorteil im wachsenden Markt für klimafreundliche Angebote erkannt. Aktiver Klimaschutz kann zu einem Innovationsschub entlang der Wertschöpfungskette führen.

Konsumenten wollen Aufklärung

Etwa 40 % der klimarelevanten Emissionen eines jeden Bundesbürgers werden durch Ernährung und Konsum verursacht (Quelle: Umweltbundesamt 2007). Bislang haben Konsumenten kaum die Möglichkeit, klimafreundliche Angebote zu erkennen und bei Ihren Kaufentscheidungen zu berücksichtigen. Einheitliche und nachvollziehbare Kommunikationsansätze zur produktbezogenen CO2 -Bilanz von Konsumgütern fehlen.

Europäische Initiativen

Vor diesem Hintergrund wurde im März 2007 vom Carbon Trust in Großbritannien in Zusammenarbeit mit den Marken „Boots“ (Drogeriekette), „Walkers Crisps“ und „Innocent Drinks” ein Pilotprojekt initiiert, um Product Carbon Footprints (PCF), nach einer eigens entwickelten Methodik zu berechnen. Durch die Analyse konnten Emissionsreduktionspotenziale entlang der Wertschöpfungskette realisiert werden.

Die Kommunikation des reduzierten PCF erfolgte dort dann über ein CO2 Label. Inzwischen haben sich mehr als 15 Unternehmen der Initiative angeschlossen. Sie verfolgen das Ziel, Transparenz hinsichtlich der mit den eigenen Produkten verbundenen CO2- und Treibhausgasemissionen zu schaffen. Auch in weiteren europäischen Ländern wie Frankreich, Österreich und der Schweiz wird aktuell die Ermittlung und Kennzeichnung der Klimarelevanz von Konsumgütern diskutiert.

Product Carbon Footprint Pilotprojekt Deutschland will Standards schaffen

Das PCF Pilotprojekt Deutschland gibt klare Empfehlungen zu Einsatzmöglichkeiten, Weiterentwicklung und internationaler Harmonisierung von Methoden und Standards. Reduktionspotenziale können so erschlossen und Erfahrungen in der Vermarktung klimabewusster Produkte gesammelt werden. Mittel- und langfristig soll die internationale Diskussion um eine CO2-Kennzeichnung von Produkten aktiv mitgestaltet werden.

Begleitforschung durch das PIK

Im Rahmen des Pilotprojekts erforscht das PIK die sozioökonomischen Aspekte einer Label-Einführung sowie die klimapolitischen Auswirkungen.

Dr. Fritz Reusswig, Leitung Konsum- und Lebensstilforschung: "Der Product Carbon Footprint von Konsumgütern schafft nicht nur die bislang fehlende Transparenz am Markt, die es Konsumentinnen und Konsumenten zukünftig erlauben wird, ihre Klimaschutzpräferenzen auch in tagtägliche Kaufentscheidungen umzusetzen. Es stellt darüber hinaus ein wichtiges Steuerungselement der ökologischen Modernisierung der Produktions- und Distributionsketten in Richtung Low Carbon Economy dar. Das PIK hat seine Arbeit in jüngster Zeit stärker in Richtung der wissenschaftlichen Erforschung konkreter Maßnahmen zum Klimaschutz ausgerichtet. Das PCF Pilotprojekt ist dafür ein hervorragendes Beispiel."

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