Künstliche Beschneiung – mit Kanonen gegen den Klimawandel

23.01.2008 - Quelle/Text: Sonstiges/Eigenes Material

Die wärmer werdenden Winter der letzten Jahre behindern die Wintersportausübung in den Skigebieten. Viele Menschen sehen die künstliche Beschneiung der Pisten als Ausweg aus dem absehbaren finanziellen Desaster der Tourismuswirtschaft. Der Naturschutzbund Österreich kritisiert diese Entwicklung und warnt vor den Auswirkungen auf Umwelt und Natur.

Jeder Eingriff in die Natur hat Auswirkungen

Schneekanone
Beschneiung in den alpinen Skigebieten ist immer auch ein Eingriff in die Natur

Manche Auswirkungen zeigen sich erst Jahre nach dem Eingriff und sind oft nicht mehr rückgängig zu machen. Der Naturschutzbund Österreich sieht daher den Einsatz von Schneekanonen für die Natur äußerst kritisch.

  • Wasserhaushalt

Die Entnahme und anderweitige Wiederaufbringung von Wasser ist gerade für das empfindliche Ökosystem Berg äußerst bedenklich. In labilen Lagen können durch die vermehrte Wassermenge während der Schneeschmelze Rutschungen auftreten, in diesen Lagen darf grundsätzlich nicht beschneit werden.

Teilweise werden für die Beschneiungsanlagen eigene Stauseen in vorher unberührten Gebirgsgegenden angelegt und einmalige Ökosysteme zerstört, um Menschen das Skifahren zu ermöglichen

  • Energieverbrauch

Für die Stromversorgung aller Schneekanonen in Tirol beispielsweise braucht man ein mittelgroßes Kraftwerk. Um diesen Strom zu den Pisten zu bringen, sind Baumaßnahmen für Stromleitungen notwendig. Beschädigung von Bäumen, Bodenrutschungen usw. sind unvermeidlich.

  • Lärm

Der Einsatz von Schneekanonen wirkt sich direkt auf Flora und Fauna aus: Die Anlagen werden vor allem in der Dämmerung und nachts betrieben, was viele Wildtiere in ihrer Hauptaktivitätszeit stört und teilweise sogar vom Futterplatz fernhält. Bei Eulen und Käuzen wurden bereits Abwanderungen beobachtet.

  • Höhere Dichte

Kunstschnee ist schwerer als Naturschnee: Er hat eine wesentlich geringere Isolationswirkung, wodurch stärkere Frostschäden an Pflanzen eintreten können. Weil er außerdem später schmilzt als Naturschnee, wird die Vegetationsperiode verkürzt. Gerade in Höhenlagen über 1.600 m haben viele Pflanzen nicht mehr ausreichend Zeit für ihre Entwicklung und Vermehrung.

  • Beschneiung bei Plusgraden mit Hilfe von Bakterien

Dem Wasser der Beschneiungsanlagen werden Proteine zugesetzt, um auch bei höheren Temperaturen Schnee erzeugen zu können. Niemand kann abschätzen, welche langfristigen Folgen die Einbringung von Bakterien – abgestorben oder lebend – in ein Ökosystem nach sich zieht.

Eines der meistverwendeten aber auch umstrittenen Produkte ist Snomax: Zur Herstellung werden Pseudomonaden verwendet. Dabei wird das Bakterium Pseudomonas syringae 31R nur abgetötet und nicht entfernt. So gelangt dieses - allerdings inaktive Bakterium - mit dem Wasser in die Natur.

Darüber hinaus muss eine Beschneiung bei Plusgraden auf ein Ökosystem, das nicht auf „Winter“ eingestellt ist, wie ein Schock wirken.

Lösungen für den Tourismus müssen jetzt gesucht werden

Aus diesen Gründen meint der Naturschutzbund: „Winter“ lässt sich nicht künstlich erzeugen. Eine „erzwungene Beschneiung“ kostet viel: Natur, Umweltqualität und Geld.

Wegen der in Zukunft zu erwartenden wärmeren Winter rät der Naturschutzbund, nicht schneeabhängige Sportarten zu forcieren. Dies würde mittel- und langfristig zu einer Entschärfung des Problems führen.

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sandro, 30.01.2008 11:41:21
Wieso "gegen den Klimawandel"? Wer Schneekanonen einsetzt ist doch nicht gegen den Klimawandel, sonder fördert ihn noch aktiv...
a.g.a., 01.02.2008 10:47:21
Kommentar zum Artikel von: sandro, 30.01.2008 11:41:21
Hallo,
das ist das Schöne an Wortspielereien:

Aus Sicht der Betreiber:
Die immer unsicherer werdenden Wintersportbedingungen sollen durch Beschneiung verbessert werden - sie kämpfen also mit Schneekanonen gegen die Folgen des Klimawandels (vereinfacht: gegen den Klimawandel).

Tatsächlich verstärken sie ihn sogar - man könnte also auch formulieren: Sie kämpfen für den Klimawandel!
fotograf67, 01.02.2008 12:16:31
Durch die Bescheiung wird zum einen sehr viel Energie verbraucht und zum andern das kostbare Gut Wasser in Umengen in die Luft gespritzt. Sollen sich doch die Herren Direktoren der Fremdenverkehrsorte gute Alternativen zum Wintersport einfallen lassen.

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