Tourismusboom gefährdet Artenvielfalt auf den Galapagos

20.01.2009 - Quelle/Text: pressetext.at

Auf der Inselgruppe Galapagos zeichnet sich eine sozio-ökologische Krise ab, warnen Ökologen der Universidad Autonoma de Madríd. Der Tourismus, von dem die Inselbewohner abhängen, bewirke nicht nur die Verschwendung natürlicher Ressourcen vor Ort und verstärkte Zuwanderung, sondern ziehe auch das Eindringen neuer Tier- und Pflanzenarten nach sich, die das Gleichgewicht der Insel gefährden. Eine nachhaltige Entwicklung des Archipels benötige umfassende Konzepte und mehr soziale Stabilität auf der Insel, so das Resümee der im Fachmagazin Ecology and Society veröffentlichten Analyse.

130.000 Besucher jaehrlich

Die Inselgruppe Galapagos im Pazifischen Ozean wurde 1535 zufällig von Spaniern entdeckt. Als eines der wenigen Gebiete der Erde besaß sie keine menschliche Ureinwohner und verfügt aus diesem Grund über einen außerordentlichen Artenreichtum an Tierarten. Berühmtheit erhielt Galapagos durch Charles Darwin, der hier wichtige Anstöße für seine Evolutionstheorie erhielt.

Die heute rund 20.000 Inselbewohner werden jährlich mehr, besonders durch die Zuwanderung aus Ecuador, zu dessen Territorium die Galapagos seit 1832 gehört. Die Hälfte der Einwohner ist im Tourismus tätig und versorgt die bereits über 130.000 Besucher, die jährlich nach Galapagos kommen.

500 eingeschleppte Tierarten auf den Inseln

Echse
Echse

Die für den Tourismus notwendige Zuwanderung bringe jedoch zahlreiche Probleme auf Galapagos, so Studienleiter José Gonzalez. "Trotz verbesserter Quarantänesysteme gibt es heute schon fast 500 eingeschleppte Tierarten auf Galapagos, das ist um fast 200 mehr als noch vor zehn Jahren. Diese nehmen schnell das umliegende Land in Besitz und dringen auch in geschützte Gebiete ein. Zudem gefährden Landwirtschaft und Rinderzucht die Arterhaltung und Nachhaltigkeit", betont Studienleiter José Gonzalez. Auch die Zahl neuer Pflanzenarten übertreffe bereits die der ursprünglich einheimischen Pflanzen und bedrohe besonders die labilen Ökosysteme in den feuchteren Höhenregionen des Archipels.

An Finanzmitteln fehlt es nicht

An Naturschutzmaßnahmen fehlt es der Insel nicht. Das jährliche staatliche Budget der Nationalparks beträgt derzeit zehn Mio. US-Dollar, die externe Unterstützung von Naturprojekten liegt noch darüber. "Doch zusätzliches Geld alleine bringt trotz der großen Probleme noch keine Lösung", so Gonzalez.

Gelöst werden müsse zuerst die soziale Krise der Inselgruppe. Bisweilen in Gewaltszenen ausartende Fischerstreiks sowie die Unstimmigkeiten der hier ansässigen Institutionen untereinander und mit der Bevölkerung nehmen zu. Wichtige Positionen wie die der Nationalparkleitung seien 2002 elfmal gewechselt worden, was das Vertrauen der Unterstützer sinken lasse. "Ein langfristiges Konzept muss die Bevölkerung bei Entscheidungen und Planung einbinden und die besiedelten Zonen berücksichtigen." Darüber hinaus fordert der spanische Ökologe verstärkte Bemühungen für transdisziplinäre Wissenschaft.

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