Ökolandbau macht "Teller und Tank" möglich

06.07.2008 - Quelle/Text: Informationsdienst Wissenschaft online

Forscher des Johann Heinrich von Thünen-Instituts (vTI-Institut) haben gezeigt, dass im Ökolandbau Treibstoff-Autarkie ohne Flächenverbrauch funktioniert. Die Forscher um Gerold Rahmann, Leiter des Instituts für Ökologischen Landbau, konnten eine Anbaukonzeption entwickeln, bei der auf dem Feld neben der Hauptkultur "für den Teller" eine zusätzliche Kultur eingesät wird, die Treibstoff "für den Tank" produziert. Umweltschützer und Experten haben in der jüngsten Vergangenheit Agrotreibstoffe für den Anstieg der Lebensmittelpreise verantwortlich gemacht.

"Agrotreibstoffe und Lebensmittelherstellung müssen sich nicht ausschließen"

Mischfruchtanbau von Weizen und Leindotter auf einem Feld des Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst
Mischfruchtanbau von Weizen und Leindotter auf einem Feld des Instituts für Ökologischen Landbau in Trenthorst

Agrotreibstoffe und Lebensmittelherstellung müssen sich allerdings nicht notwendigerweise ausschließen, erläutert Gerold Rahmann. "Wir haben eine solche Anbaukonzeption entwickelt", so der Forscher. Dabei setze man auf einen Doppelanbau. "Diese Zweitkultur ersetzt einen Teil der natürlichen Begleitflora, die man umgangssprachlich Unkraut nennt, und nutzt deren Nährstoffe."

Stehen verschiedene Pflanzen gemeinsam auf einem Feld, können sie sich - geschickt gemischt - wunderbar ergänzen. "Wenn eine Pflanze schwach oder krank ist, bleibt die Ernte der anderen Pflanze noch gesichert. Will eine Pflanze sich bei Hagel senken, wird sie vom Partner gestützt. Eine solche natürliche Stabilisierung ist gerade im Ökolandbau außerordentlich erwünscht", erklärt der Wissenschaftler.

Ölpflanzen sollen wieder in die Öko-Anbaupläne integriert werden 

Die Forscher des Instituts für Ökolandbau arbeiten seit einigen Jahren daran, sich diese Effekte zu Nutze zu machen. Ein Beispiel ist etwa die im Ökolandbau nur schwer zu kultivierenden Ölpflanzen wieder in die Anbaupläne zu integrieren und das Pflanzenöl als eigenen, klimaneutralen Treibstoff für die hofeigenen Landmaschinen zu nutzen. Untersucht haben die Forscher zum Beispiel Mischungen aus Raps mit Getreide, Senf mit Erbsen, Färberdistel mit Lupine oder Lein mit Weizen.

Leindotter vielversprechend 

Die alte Kulturpflanze Leindotter (Camelina sativa), die noch vor 50 Jahren verbreitet angebaut wurde, hat sich als guter Mischungspartner für Erbsen, Lupinen und Weizen gezeigt. Es war im Mischfruchtanbau zum Beispiel möglich, nahezu den vollen Erbsenertrag von drei Tonnen pro Hektar zu erzielen und zusätzlich 250 Liter Leindotteröl zu erzeugen. Weniger konkurrenzstark ist der Leindotter im Sommerweizen, doch auch hier konnten 150 Liter Leindotteröl pro Hektar zusätzlich zur Sommerweizenernte gewonnen werden.

Um einen Hektar zu beackern benötigt man 80 bis 150 Liter Pflanzenöl als Treibstoff für die Landmaschinen. Dieser Bedarf wird durch die Ernten mehr als gedeckt. Werden weitere Fruchtfolgeglieder mit Ölpflanzen im Mischfruchtanbau angereichert, kann ein Öko-Betrieb genug Pflanzenöl erzeugen, um seine Flächen zu bewirtschaften. Zudem hat das Pflanzenöl als Co-Produkt der Nahrungsmittelproduktion eine enorm günstige Ökobilanz.

Forschung an weiteren Ölpflanzen notwendig 

Da allerdings die verschiedenen Pflanzenöle auch verschiedene Qualitäten aufweisen - und diese bis dato nur bei Rapsöl gut dokumentiert sind - arbeiten die Forscher mit dem Lehrstuhl für Kolbenmaschinen und Verbrennungsmotoren der Universität Rostock zusammen.

Zurzeit führt das Institut daher gemeinsam ein Forschungsprojekt durch, in dem Leindotteröl aus Kaltpressung in Mischungen mit anderen kaltgepressten Pflanzenölen in Versuchsmotoren und in einem Praxisschlepper neuester Bauart als Treibstoff erprobt wird.

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opa broesel, 08.07.2008 15:31:44
Moin!
Das finde ich doch richtig gut! Da kann man mal wieder sehen, daß in u. mit der Natur Lösungen für alles vorhanden sind - man muß nur danach suchen!
Da wird die ganze Bio-Sprit-Preisspirale ad adsudum geführt!
Weiter so u. viel Erfolg.
Carsten Stoldt
-Umweltberater-
Hexe, 14.07.2008 19:13:52
Hallo, ich kenn mich ja noch nich sooo gut aus, studiere LW im 2. semester (naja fast 3.), deswegen bin ich grad stutzig geworden bzgl. der Düngung eines solchen Mischkulturenfeldes.
Wie funktioniert das genau, verschiedene Kulturen haben doch verschiedene Ansprüche oder?
Ansonsten find ich die Idee gut!
MfG,
Hexe
Georg Löser, 08.08.2008 19:16:18
Guten Tag!
Schön, was die da machen! Wir haben neulich nachwachsende Rohstoffe von Ökolandbau (LTZ B-W in Müllheim, Baden) besichtigt: Chinaschilf und Korb-weiden: seit über 10 Jahren i.w. gleichbleibende Erträge ohne Dünger ohne Pestizide: Bericht bei www.ecotrinova.de unter Projekte, Samstags-Forum 31.5.2008. Bei Ölpfanzen wird meist falsch argumentiert oder abgeschrieben: Denn richtig ist, dass in Ölmühlen neben dem einen Teil Öl auch zwei Teile Presskuchen entstehen: hochwertiges proteinhaltiges Futter, dass Futterimporte z.B. aus dem Süden der Welt erspart.
Drittens ist das Rapsstroh zu nennen. Diese Punkte werden bei Vergleichen mit Biokraftstoffen zweiter Generation oft . Dass nun Ölpflanzen auch im Biolandbau sinnvoll anbaubar sind, war zu vemuten, gut dass es nun klappt.
Zum anderen sind bei geeigneter Pflanzenwahl auch zwei Ernten pro Jahr möglich. Völlig richtig: die Land-wirtschaft soll ihren Treibstoffbedarf per Pflenzenöl decken, am besten mit Elsbett-Motoren, die nicht umgebaut werden müssen. Überschuß sollte an den kommunalen Fuhrpark und ÖPNV.

Zum 1. Absatz /Vorspann der Meldung: Die Biokraft-stoffe sind z.T. zu Unrecht in die Kritik geraten. Agrotreibstoffe sind nur zum kleinen Teil für den Anstieg einiger Lebensmittelpreise (Getreide) verantwortlich.
Es sind: Ernteausfälle in mehreren Jahren in mehreren Kontinenten, die Spekulation, die Landwirtschaftspolitik (Exportsubventionen der USA, EU), die die Erzeugung für den Eigenbedarf im Weltsüden verringert hat, der jahrzehntelange Rückgang der Preise von Grundnah-rungsmitteln hat die Erzeugung geschwächt, der Preis-anstieg bei Öl, Dünger usw. Pestziden, der weltweit weiter stark zunehmende Fleischkonsum (der pro Nahrungseinheit via Viehfutter rund das 10fache an Pflanzen benötigt wie pflanzliche Nahrung!). Also:erst sich informieren und das, was andere schreiben prüfen.

Auch Prof. Crutzen hat neulich in seiner weltweit beachteten Streitschrift gegen Biosprit z.T. ziemlich danebengelegen. Andererseits war seine Warnung z.T. auch nötig. Mehr zum Thema bei ECOtrinova e.V., gemeinnütziger Verein in Freiburg i.Br., ecotrinova(at)web.de. Dr. Georg Löser, 8.8.2008


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