Für Taschentücher und Klopapier gestohlenes Land muss zurückgegeben werden

01.09.2007 - Quelle/Text: Robin Wood e.V.

Die Tupinikim- und Guarani-Indianer in Brasilien haben im Streit um ihr Land einen großen Erfolg errungen: Der brasilianische Justizminister Tarso Genro hat entschieden, dass der Zellstoff-Konzern Aracruz 11.000 Hektar Land an sie zurückgeben muss.

Brasilianischer Justizminister hat entschieden: Zellstoffgigant Aracruz muss Land an Indianer zurückgeben

Regenwald
Die Nutzung von Altpapier verhindert Regenwaldkahlschlag und Menschenrechtsverletzung.

Die Umweltorganisation ROBIN WOOD sieht in der Entscheidung des Justizministers einen Sieg der Gerechtigkeit über die einflussreiche Zellstoff-Lobby und eine wichtige Ermutigung auch für andere Indigene, Landlose und Quilombolas in Brasilien, die um ihre Landrechte streiten.

Der Zellstoff-Gigant Aracruz hatte die Indianer in den siebziger Jahren von ihrem Land vertrieben, um dort riesige Eukalyptus-Monokulturen für die Zellstoffproduktion anzulegen.

Mit der Unterschrift des brasilianischen Justizministers unter die Dekrete 1463 und 1464 ist die wichtigste Hürde im Kampf um die Landrückgabe für die Indianer genommen. Abgeschlossen ist sie damit allerdings noch nicht; die Entscheidung muss noch von Präsident Lula bestätigt und praktisch umgesetzt werden.

Die praktische Rückgabe des Landes ist noch ungeklärt

Eine Schwierigkeit dürfte nun noch darin liegen, dass sich Indigene und Regierung mit Aracruz darüber einigen müssen, ob und wie der Zellstoff-Multi für das zurückgegebene Land und die darauf stehenden Eukalyptusbäume entschädigt werden soll. Die brasilianische Regierung hat bereits erklärt, dass sie die Entschädigung nicht aufbringen will.

Internationale Unterstützung für die Rechte der indigenen Völker notwendig

ROBIN WOOD wird auch weiterhin die Landrückgabe an die Indianer genau beobachten. Die Umweltorganisation hatte seit 2005 mit zahlreichen Protestaktionen gegen einen der wichtigsten Zellstoff-Kunden von Aracruz, den Konzern Procter&Gamble, von Deutschland aus den Kampf der Indianer unterstützt.

Gemeinsam mit Indianern aus Brasilien hatten ROBIN WOOD-AktivistInnen u.a. das Procter&Gamble-Werk in Neuss blockiert, wo der Zellstoff aus Brasilien zu Tempo-Taschentüchern verarbeitet wird.

Im März 2007 wurde bekannt, dass der schwedische Konzern Svenska Cellulosa Aktiebolaget (SCA) die gesamte europäische Hygienepapier-Sparte von Procter&Gamble (Tempo, Charmin...) übernimmt.

Erste Signale aus der Konzernführung deuten darauf hin, dass SCA nach Übernahme des Tempo-Werks im Laufe des Jahres 2007 auf Zellstoff des Skandal-Unternehmens Aracruz-Celulose aus Brasilien für die Tempo-Produktion verzichten könnte. Dies wäre aus Sicht von ROBIN WOOD ein notwendiger Schritt, damit SCA seine eigenen Umweltstandards erfüllt.

Zellstoffgigant Aracruz hat noch andere „Leichen im Keller“

Aracruz ist noch in zahlreiche weitere Landrechtskonflikte verwickelt. So beschuldigen auch die Quilombolas, die Nachfahren afrikanischer Sklaven in Brasilien, den Konzern, er habe sich in den siebziger Jahren mehrere 10.000 Hektar ihres Landes widerrechtlich angeeignet.

"Jetzt ist es offiziell und amtlich bestätigt, dass der Skandalkonzern Aracruz Indianern das Land genommen hat", sagt Tropenwaldreferent Peter Gerhardt. "Angesichts der vielen weiteren, noch ungelösten Landkonflikte sollten alle Kunden die Handelsbeziehungen mit Aracruz sofort beenden."

Zu den weiteren Großkunden des Konzerns zählt u.a. Kimberly-Clark, der aus dem Zellstoff Haakle-Klopapier herstellt.

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