Naturland kritisiert neuen Kaffeekodex

01.10.2007 - Quelle/Text: Sonstiges/Eigenes Material

Die Kaffeewirtschaft hat einen freiwilligen Verhaltenskodex entwickelt. Darin sind nur minimale soziale und ökologische Standards für eine nachhaltige Kaffeeproduktion enthalten. Dieser Common Code for the Coffee Community (4C) ist für das Fair Handelsunternehmen GEPA, die Fair Handelsorganisationen dwp, EL PUENTE (Import- und Großhandelsorganisationen des Forums Fairer Handel) und den ökologischen Anbauverband Naturland die falsche Antwort auf die Probleme der Kaffeebauern

Öko-Standards auf niedrigem Niveau sind nur Marketinginstrument der Kaffeewirtschaft

Kaffe
Kaffee: Woher er stammt ist nicht einfach herauszufinden.

Die Kaffee-Industrie geht mit 4C keinerlei Verpflichtungen gegenüber den ca. 25 Millionen Kaffeeproduzenten weltweit ein. Es besteht die Gefahr der Irreführung der Verbraucher, denn für den Endverbraucher sind die Unterschiede zwischen 4C-Kaffee und fair gehandeltem Öko-Kaffee nur schwer nachzuvollziehen. Darüber hinaus kann 4C gekennzeichneter Kaffee herkömmlichen Kaffee enthalten.

Weitere Kritikpunkte: Preiszusagen fehlen

Der wichtigste Aspekt, die angemessene Bezahlung der Bauern, wird von 4C vernachlässigt. Angesichts der aktuellen Weltmarktsituation ist das Hauptproblem für die Bauern, dass sie für ihr Produkt keinen kalkulierbaren Preis erhalten und der gezahlte Preis oft zu niedrig ist, um davon menschenwürdig leben zu können. Ob den Bauern in Zukunft mehr für 4C-Kaffee bezahlt wird, bleibt offen.

Fairer Handel bietet feste Mindestpreise

Nur der Faire Handel bietet einen festen Mindestpreis und garantiert damit den Produzenten einen von den extremen Schwankungen des Weltmarktes unabhängigen Preis. Zusätzlich gibt es Aufschläge für soziale Entwicklung sowie für ökologisch angebauten Kaffee.

"Wir wollen unseren Kaffee nachhaltig produzieren, aber wie soll das möglich sein, wenn wir keinen angemessenen Preis für unseren Kaffee bekommen?", fragte der Präsident der Kaffeekooperative Llano Bonito in Costa Rica, Gerardo Arias Camacho, bei einer Veranstaltung des Forums Fairer Handel, dem Netzwerk von Organisationen und Akteuren des Fairen Handels in Deutschland.

Kodex Umweltstandards nicht ausreichend

Die Mindeststandards des Kodex im Umweltbereich sollen dazu beitragen, dass schlimmste Umweltsünden wie die Rodung von Urwald oder der Einsatz geächteter Pestizide im Kaffeeanbau vermieden werden, eine nachhaltige Produktion garantieren sie aber nach Auffassung der Fair Handelsorganisationen und des Naturland-Verbandes nicht.

Öko-Kaffee aus Fairem Handel garantiert eingehaltene Umweltstandards

Öko-Kaffee im Mischanbau, zwischen Obst-, Gewürz- oder anderen Bäumen sorgt hingegen für zukunftfsfähigen nachhaltigen Anbau. Die Schattenbäume schützen den Boden vor dem Austrocknen und die Kaffeepflanzen vor zu viel Sonne. Das Laub der Kaffeebäume vermindert die Bodenerosion.

Die Naturland Richtlinien für den ökologischen Kaffeeanbau basieren auf einer an die lokalen Umstände angepasste Kreislaufwirtschaft, diese erhöht die Bodenfruchtbarkeit und damit auch die Kaffee-Ernte der Bauern. Im Öko-Anbau kommen weder mineralische Kunstdünger noch chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel zum Einsatz.

4C-System - Freiwilligkeit statt Kontrollen

Regelmäßige, unangekündigte Kontrollen durch unabhängige Inspektoren sind im 4C System nicht vorgesehen. Dieser Mangel im Kontrollsystem macht deutlich, was die Initiative bislang ist: Ein freiwilliger Verhaltenskodex und kein Zertifizierungssystem, welches garantieren könnte, dass Kaffee nachhaltig produziert wird.

Sozial-Standards nicht berücksichtigt

Wichtige soziale Standards, wie zum Beispiel, dass sich Arbeiter gewerkschaftlich organisieren können, dass sie Verträge erhalten und Überstunden bezahlt werden, sowie das Problem des ausbeuterischen Zwischenhandels finden im Standardkatalog von 4C keine Erwähnung.

Von den Kaffeeproduzenten wird die Einhaltung verschiedener Standards verlangt, sie bekommen im Gegenzug aber wenig dafür: Weder eine Garantie, dass die Kaffeekonzerne möglichst viel von ihrem Kaffee aufkaufen, noch einen festen Preisaufschlag, der die zusätzlichen Ausgaben decken würde. Die Kaffeeproduzenten müssen bis auf weiteres in Vorleistung treten.

Anders ist das im Fairen Handel: Seit mehr als 30 Jahren bieten die Fair Handelsorganisationen ihren Partnern im Süden neben einem fairen Preis und Vorfinanzierung auf Anfrage auch langfristige und verlässliche Handelsbeziehungen, Unterstützung bei der Umstellung auf Bio-Anbau sowie Weiterbildung und Beratung.

Fair gehandelten Öko-Kaffee finden Verbraucherinnen und Verbraucher in den Weltläden, im Lebensmittel-, Bio- und Naturkosthandel. Das Logo der jeweiligen Fair Handelsorganisation (GEPA, dwp, EL PUENTE ) sowie das internationale Fair Trade Siegel stehen für den Fairen Handel. Ein Naturland-Siegel garantiert Öko-Qualität.

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