Energieeffiziente Mobilität im toten Winkel

25.06.2009 - Quelle/Text: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit

Energieeffiziente Mobilität ist in der deutschen Tagespresse deutlich unterrepräsentiert. So wird nur bei 40 Prozent der Besprechungen einzelner Pkw-Modelle der Spritverbrauch genannt. Am häufigsten erwähnen die Autojournalisten PS-Leistung, Kaufpreis und Design. 30 Prozent der Modellberichte präsentieren verbrauchsintensive Fahrzeugtypen wie Sport-, Gelände- und Oberklassewagen, obwohl diese bei Neuzulassungen nur einen Marktanteil von 10 Prozent haben.

Das ergab eine Analyse der Auto- und Verkehrsberichterstattung in zehn großen deutschen Tageszeitungen der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), die im Rahmen des Projekts „ich & mein auto“ vom Bundesumweltministerium gefördert wurde.

Bundesumweltminister ruft Presse zu veränderter Berichterstattung auf

Audi TT
Umweltschuetzern ein Dorn im Auge: Spritfressende Autos

Bundesumweltminister Sigmar Gabriel: „Die Verbraucherinnen und Verbraucher wollen wissen, wie viel Kraftstoff ein Auto verbraucht und wie hoch die Benzinkosten sind. Der Spritverbrauch ist ein entscheidendes Kriterium bei der Anschaffung eines neuen Autos. Ich sehe hier die Zeitungen in der Pflicht, die sich wandelnden Interessen und Bedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger aufzugreifen und effiziente Fahrzeuge in den Vordergrund ihrer Berichterstattung zu stellen. Wer sich für ein sparsameres und sauberes Autor entscheidet, schont nicht nur die Umwelt und das Klima, sondern auch den eigenen Geldbeutel.“

Alternativen zu eigenen PS nehmen nur 5 Prozent ein

Auch wenn es nicht um einzelne Pkw-Modelle geht, berichten die Zeitungen wenig über energie- oder klimarelevante Themen wie Spritverbrauch, CO2-Emissionen, alternative Antriebe oder Spritsparmöglichkeiten. Diese nehmen lediglich 17 Prozent am Gesamtumfang der Berichterstattung ein; Alternativen zum individualisierten Pkw- und Motorradverkehr wie Carsharing, Bus, Bahn oder Fahrrad sogar nur knapp 5 Prozent.

Presse als Meinungsführer in der Pflicht

„Gut informierte Verbraucher, die sich gezielt für energiesparende Mobilitätsangebote entscheiden, sind eine Voraussetzung für den Klimaschutz“, sagte dena-Geschäftsführer Stephan Kohler. „Die Medien spielen hier eine wichtige Rolle als kritische und unabhängige Vermittler. Gleichzeitig beeinflussen sie Wertvorstellungen und Image von Verkehr und Mobilität. Die vorliegende Analyse hilft, diese Rolle zu diskutieren.“

Unterschiede in der Berichterstattung der vier untersuchten überregionalen Tageszeitungen sowie weiterer Regionalzeitungen

Je nach Kriterium zeichnen sich unter den vier untersuchten überregionalen Tageszeitungen unterschiedliche Vorreiter ab. Die Süddeutsche Zeitung geht am häufigsten auf CO2-Emissionswerte und Alternativen zum Pkw ein. Die Frankfurter Rundschau informiert am ehesten über klimarelevante Themen und berichtet am wenigsten über verbrauchsstarke Fahrzeugtypen. Die Frankfurter Allgemeine Zeitung nennt am häufigsten den Spritverbrauch. Unter den Regionalzeitungen fallen vor allem die Freie Presse aus Chemnitz und die Rhein-Zeitung aus Koblenz positiv auf.

Die Medienresonanzanalyse wurde von Ausschnitt Medienbeobachtung durchgeführt. Untersucht wurde für den Zeitraum April 2008 bis März 2009 die Berichterstattung in regelmäßig erscheinenden Mobilitätsseiten von vier überregionalen Tageszeitungen und sechs großen Regionalzeitungen aus den bevölkerungsreichsten Bundesländern: Süddeutsche Zeitung, Frankfurter Allgemeine Zeitung, Die Welt, Frankfurter Rundschau, Hannoversche Allgemeine Zeitung, Freie Presse, Rhein-Zeitung, Stuttgarter Zeitung, Kieler Nachrichten, Westdeutsche Allgemeine Zeitung. Die Ergebnisse werden am Mittwoch nächster Woche, den 24. Juni, auf dem dena-Jahreskongress "energie.effizient.mobil." in Berlin einem breiteren Fachpublikum vorgestellt.

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