Gesundheitsgefährdung durch Feinstaub, Grenzwerte 2008 in Stuttgart und Tübingen überschritten

26.03.2008 - Quelle/Text: Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V.

Um die Gesundheit von Menschen und Umwelt zu schützen, dürfen EU-weit die Grenzwerte für Feinstaub maximal an 35 Tagen pro Jahr überschritten werden; das Umweltministerium bestätigt, dass in Stuttgart und Tübingen diese Grenze bereits jetzt erreicht ist. Für den Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Landesverband Baden-Württemberg ist die Übertretung der 35-Tagesgrenze bereits im ersten Vierteljahr ein Alarmzeichen: Zur wirksamen Bekämpfung des Feinstaubs verlangt er dringend schärfere Maßnahmen.

BUND fordert Durchfahrtsverbote für Lkw und regionales Tempolimit

Autobahn
Bringt die Feinstaubplakette wirklich ausreichend Schutz für Umwelt und Gesundheit?

„Was den Feinstaub anbelangt, ist die Region Stuttgart der schmutzigste Ballungsraum Deutschlands“, kommentiert BUND-Landesvorsitzende Dr. Brigitte Dahlbender die Messergebnisse: „Wenn nur drei Wochen nach Einführung der Umweltzonen die Grenzwerte schon überschritten werden, wird deutlich, dass die Umweltzonen in der jetzigen Ausprägung und als alleinige Maßnahme nicht ausreichen, um den Feinstaub wirkungsvoll zu bekämpfen. Die Behörden müssen sofort eingreifen.“

Forschungsbericht des Umweltbundesamtes benennt den Verkehr als Hauptverursacher

Der im Juni 2007 vom Umweltbundesamt in Dessau herausgegebene Forschungsbericht „Maßnahmen zur Reduzierung von Feinstaub und Stickstoffdioxid“ (Volker Diegmann, Florian Pfäfflin, Dr. Götz Wiegand, Heike Wursthorn) zeigt das Problem klar auf:

Die Quellanalyse sieht für Stuttgart den Ferntransport zu 44 % und den Kfz-Verkehr zu 47 % als Verursacher für PM10 Immissionen.

Als Sofortmaßnahmen fordert der BUND für Stuttgart die Wiedereinführung des Durchfahrtsverbots für Lastwagen und ein regionales Tempolimit auf allen Straßen. Auch die Entscheidung für die Mülltransporte per Lastwagen aus der Region Neckar-Alb in die Stuttgarter Müllverbrennungsanlage soll sofort revidiert werden. Bei der Feinstaubbekämpfung müsse der Schienenverkehr absolute Priorität bekommen.

Umweltzonen sollen ausgedehnt werden

Schnellen Handlungsbedarf sieht der BUND auch bei den Umweltzonen. „Bis spätestens 2009 müssen die Umweltzonen großräumig auf die gesamte Region ausgedehnt und die Durchfahrtsstraßen einbezogen werden“, fordert Dahlbender.

Seit Anfang März dürfen Autofahrer die Innenstädte von Stuttgart, Tübingen, Ludwigsburg, Mannheim, Leonberg, Reutlingen, Schwäbisch Gmünd und Ilsfeld nur noch mit Feinstaubplakette an der Windschutzscheibe befahren.

Notwendig seien auch verschärfte Fahrverbote. So rasch wie möglich – und nicht erst 2012 – müssten nun auch Dieselfahrzeuge mit roten Umweltplaketten aus dem Verkehr gezogen werden. „Wir wollen mit unseren Forderungen die vom Feinstaub bedrohten Menschen schützen, und nicht eine bedingungslose Mobilität", so Dahlbender.

Darüber hinaus müsse der Autoverkehr deutlich reduziert werden. Über die Hälfte des verkehrsbedingten Feinstaubs stamme vom Reifen- und Bremsabrieb. Abhilfe könne da nur eine Reduzierung des Autoverkehrs schaffen – durch bessere Angebote im öffentlichen Verkehr.

Eingestellt von: Alois G. Auinger

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