Vogelanprall an Glasflächen, ein unterschätztes Artenschutz-Thema

31.03.2008 - Quelle/Text: Sonstiges/Eigenes Material

Seit zehn Jahren engagiert sich die Wiener Umweltanwaltschaft (WUA) für wirkungsvolle Vogelschutzmaßnahmen an Glasflächen und hat deren wissenschaftliche Untersuchung in Österreich initiiert. Mit Partnern aus Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft konnten bereits mehrere vorbildliche Projekte umgesetzt werden. Prominentestes Beispiel ist eine Lärmschutzwand vor dem Theodor-Körner-Hof am Wiener Margaretengürtel.

Ergebnisse der Fachtagung „Vogelanprall an Glasflächen“ in Wien

KOPIE
Zahlreiche Vögel sterben bei Kollisionen mit großen Glasflächen.

Auf einer Fachtagung der WUA im Februar 2008 in Wien referierten renommierte Ornithologen zur Vogelschlagproblematik. Allgemein wird der mangelnde Wissensstand in der Bevölkerung, aber auch bei Planern und Bauträgern betont.

Die Schweizerische Vogelwarte wird deshalb gemeinsam mit der WUA eine Broschüre „Vogelfreundliches Bauen mit Glas“ verfassen. Für 2008 plant die WUA noch eine Anwendertagung, auf der Architekten und Bauträgern gelungene Beispiele im Glasbau vorgestellt werden sollen.

Eine Reorganisation der Vogelwarte führte dazu, dass ein eigener Fachbereich „Konflikte mit Vögeln“ geschaffen wurde, in welchem die Glasthematik hohe Priorität hat.

Physiologie des Vogelauges

Professor Dr. Hans Winkler erläuterte in seinem Vortrag die Eigenheiten der Physiologie des Vogelauges. Im Unterschied zum Menschen können Vögel auch UV-Licht wahrnehmen. Nachts orientieren sich Vögel mittels eigener Kryptochrome in ihren Augen, können dabei aber von rotem Licht gestört werden. Diese und andere spezielle Eigenheiten des Sehens der Vögel machen es nicht leicht, Maßnahmen im Bereich der Vogelschlagproblematik von allgemeinen Prinzipien abzuleiten.

Mustererkennung der Vögel wird untersucht

DI Martin Rössler gab einen Überblick über seine Arbeit an der biologischen Station Hohenau-Ringelsdorf. Bisherige Untersuchungen zeigen gute Erfolge vor allem für vertikale Streifen. Das bisher beste Ergebnis wurde mit dem "Plexiglas Soundstop" von Degussa erzielt, in das 3 Millimeter breite schwarze Polyamidfäden in 3 Zentimeter Abstand eingelagert sind.

92,9 % der Vögel haben diese Scheibe im Versuchstunnel als Hindernis wahrgenommen. Um ein System als „wirksam gegen Vogelanprall“ zu bezeichnen, wird eine Fehlerquote von maximal 10 % gefordert (90/10-Kriterium). Freistehende Glasflächen müssen wegen der Möglichkeit von Spiegelungen jedenfalls beidseitig beschichtet werden.

Die bisherigen Versuche lassen die Schlussfolgerung zu, dass an Orten mit hellem Hintergrund und schwacher Globalstrahlung (Siedlungsraum) farbige Dekors wirksamer sind. Weiße Dekors wirken an Orten mit dunklem Hintergrund (Wald) besser.

UV-aktiv beschichtete Materialien im Test

Dr. Hans-Willi Ley von der Vogelwarte Radolfzell (Deutschland) untersucht Glasscheiben mit UV-absorbierenden und -reflektierenden Beschichtungen, die – ohne optische Beeinträchtigung für den Menschen – von Vögeln als Hindernis erkannt und umflogen werden.

Bei direkter Sonneneinstrahlung lag die Hinderniserkennung an einer freistehenden Versuchswand sogar über dem experimentell ermittelten Wert im Flugtunnel. Bei stark bedecktem Himmel sank der Wert für die Hinderniserkennung etwa auf den experimentell ermittelten Wert.

Auch Dieter Peter von der Vogelwarte Sempach (Schweiz) testet UV-Beschichtungen auf Gläsern auf ihre Wirksamkeit gegen Vogelanprall. Neben UV-Beschichtungen werden verschieden Folien der Firma 3M untersucht, die auch nachträglich auf Scheiben appliziert werden können und ebenfalls UV-aktiv sind oder eine Polarisation des Lichtes bewirken. Die besten Resultate wurden bisher mit einer UV-Beschichtung in Kombination mit einer Splitterschutzfolie erzielt.

Eingestellt von: Alois G. Auinger

http://umweltschutz-news.de/123artikel2123.html